Auditiv adoleszierender Adonis
Heute hätte so ein schöner Abend werden sollen; die Vorfreude auf Hardy Heron brachte mir den ganzen Tag schon gute Laune, außerdem haben wir heute angegrillt, was als Hort des Wohlfühlens eigentlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt werden sollte.
Aber nix mit schöner Abend. Diese verdammte Huffington Post hat Schuld.
Das Prinzip des Moskito-Tons dürfte bekannt sein: Hohe Töne, die Erwachsene nicht hören können und die die böse böse Jugend (Jugend) von versnobten Plätzen vertreiben soll. Ging ja vor einiger Zeit durch die Medien. So weit, so mittelmäßig prächtig.
Ich dachte mir immer: Ach ja, diese tauben Erwachsenen; zum Glück hörst du ja wie ein junger Gott.
Der geneigte Leser kann sich denken, was nun – im YouTube-Test – passierte: Ich höre schlechter als ein 40-Jähriger!
Mein Ruin. Wie viele Wunderwerke der Musikkunst sind da an mir als Musikenthusiast schon vorbeigezogen, ohne dass ich ihre wahre Schönheit erkennen konnte; einfach, weil ich sie nicht hören konnte? Vielleicht sind Linkin Park ja gar nicht so uncool. Ihre Coolness spielt sich nur oberhalb von 12 kHz ab.
Was ist das Leben überhaupt noch wert als Gehör–Greis? Wo macht mein Körper noch bald schlapp?
Nein, das kann ich nicht glauben. Das kann einfach nicht sein. Der reinkarnierte Adonis — in Wahrheit ein heruntergekommenes Wrack, dem baldigen Tode geweiht? Quasi die personifizierte Zeitung?
Nein, nein, nein! Da gibt es nur eins: Nicht wie eine Zeitung blind nur einer Quelle vertrauen, sondern stattdessen selbst recherchieren. Und was liegt da näher, als die Quelle allen Unglücks ausfindig zu mache? Das war in diesem Fall nicht sonderlich schwer: teenbuzz.org ist der Übeltäter. Und dort sind auch noch mehr Hörbeispiele vorhanden. Die konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen; immerhin musste ich doch überprüfen, ob ich eher wie ein 50-Jähriger oder eher wie ein 45-Jähriger höre. Und dann die Überraschung: Weder noch. Beide Töne konnte ich ohne Probleme hören. Also höher: 16 kHz: Kein Problem. 17 kHz: Kein Problem. 17,4 kHz: Kein Problem. 18 kHz: Problem, aber mit laut machen und näher an die Boxen dran noch so gerade eben zu hören. Und – tadaa: Schon bin ich gehörtechnisch um mindestens 16 Jahre gejüngert. Ist zwar immer noch schlecht, zumal ich wirklich dachte, ich hätte ein sehr gutes Gehör, aber immerhin kann ich das Totalversagen meiner Ohren jetzt YouTube anlasten.
Blödes Internet.
Ups, da kam kurz wieder die Zeitung in mir raus.
P.S.: Das Versagen von YouTube hat mich übrigens auf die Idee gebracht, dass auch die Hörbeispiele auf teenbuzz.org technischen Einschränkungen unterlegen sein könnten. Wer sagt mir denn, dass meine kleinen Laptop-Lautsprecher so hohe Töne überhaupt abspielen können? Ja, das wird es sein. Das ist doch ‘ne Superausrede, die man auf fast alles anwenden kann: „Das liegt nicht an mir, ich war technischen Einschränkungen ausgeliefert.“
Über diesen Eintrag
Du liest grade „Auditiv adoleszierender Adonis“ im MainPlog
- Autor:
- Patrick
- Veröffentlicht:
- 24.04.2008 / 01:06 Uhr
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