Unter Ausschuss des Lektors

Die Sommerzeit ist am Niederrhein (und sicher auch vielen anderen Gegenden Deutschlands und des anliegenden Auslands) die Zeit der Schützenfeste, deren Sinn es ist, viel zu trinken und schlechte Musik zu hören einen Schützenkönig zu feiern, der vorher in einem nicht abgekarteten Wettbewerb ermittelt wird, bei dem es darum geht, wer mit den wenigsten Schüssen einen Holzvogel abschießt. Dieser Wettbewerb nennt sich dann Ausschuss.

Okay, ist zwar absoluter Quatsch, aber Ausschüsse gibts bei Schützenvereinen, wie bei so vielen anderen Vereinen und Einrichtungen, ja trotzdem. And now for something completely different:

Ich bin bei einem Interview auf tagesschau.de über den Begriff „unter Ausschuss der Öffentlichkeit“ gestolpert und fand die Formulierung ohne das „l“ eigentlich recht amüsant. Also schnell mal die allwissende Netzgöttin befragt, ob es noch weitere dieser Stilblüten in den Weiten der Welt gäbe. Das Ergebnis überraschte mich allemal: 277 derartig verkorkste Wendungen finden sich zwar nur, aber unter den Fundstellen sind erstaunlich viele staatliche, journalistische, vermeintlich intellektuelle sowie Bildungsangebote. Die folgenden unerwarteten Treffer hält Google allein auf den ersten vier Seiten bereit: Europäisches Parlament, zeit.de, SPIEGEL Wissen, tagesspiegel.de, Schleswig-Holsteinischer Landtag, Uni Dortmund, Nachdenkseiten, bildungsserver.de („ein Gemeinschaftsservice von Bund und Ländern“).

Das ist natürlich nichts schlimmes, so ein Buchstabe kann jedem mal abhanden kommen, aber seltsam ist es doch schon, dass da mal niemand über eine Promotionsordnung oder ähnliche hochoffizielle Dokumente drüberliest. Da wurde der Lektor wohl schon outsourced. Oder wie ich fürderhin zu sagen pflegen werde: ihm wurde der Ausschuss gemacht.


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