Jetzt live: Ein schwarzer Bildschirm

Wann immer es um eine Live-Übertragung geht, zeigen die großen Fernsehanstalten dieser Welt mit erstaunlicher Konsequenz, wie sehr sie diese Technik, die sie seit, na sagen wir mal in einem Anflug von Kleinzügigkeit 50 Jahren zu kennen vorgeben, noch überfordert.
Schlagzeilen machte im Juni dieses Jahres das Fußball-EM-Halbfinale der deutschen gegen die türkische Mannschaft, als nämlich ein Unwetter einen Stromausfall bewirkt hatte, der zu einem mehrminütigen Bildausfall bei zahlreichenden übertragenden Stationen führte. Die Sender selbst waren hieran allerdings weitgehend unschuldig, weil erst eine Klausel im Vertrag mit der UEFA die TV-Anstalten dazu verpflichtete, das offizielle UEFA-Signal zu übernehmen. Die UEFA hatte sich aber nicht darum gekümmert, für ein Ersatzsignal zu sorgen.
Beim Besuch des demokratischen US-Präsidentschaftskanditaten Barack Obama dagegen waren es eindeutig die (in Massen vorhandenen) deutschen TV-Journalisten, die sich mit allem bekleckerten – nur nicht mit Ruhm, wie Peer Schader von den Medienpiraten Ende Juli zu berichten wusste.

Damit sind wir thematisch auch schon beim soeben zuende gegangenen ersten TV-Duell der beiden Kandidaten um das Amt des US-amerikanischen Präsidenten, John McCain und eben Obama. Fünfeinhalb Millionen Dollar und anderthalb Jahre soll der Austragungsort Oxford in Vorbereitung dieser 90 Minuten gesteckt haben, weiß tagesschau.de zu berichten.

Vielleicht hätten sich die an der Übertragung beteiligten Fernsehkanäle auch so penibel vorbereiten sollen, denn was sich wie eine Routineübung für einen TV-Sender in einem der technisch fortgeschrittensten Länder der Erde anhört, entpuppte sich für sie als unlösbare Aufgabe.

Den leichtesten Job hatte wohl die ARD, die das Duell live übertrug. Sie brauchte ja nur das offizielle Signal anzuzapfen. Außerdem waren noch drei Simultanübersetzer für die beiden Kandidaten sowie den Moderator der Veranstaltung vonnöten. Obligatorisch, aber deswegen nicht weniger überflüssig, waren noch eine Moderatorin im Studio sowie ein Korrespondent in Washington. Das wars. Na dann, schalten wir uns doch mal mitten in die Veranstaltung:

Ja, so sah sie plötzlich aus, die Übertragung des TV-Duells Obama gegen McCain. Gut, kann mal passieren. Ein paar Sekündchen später war wieder alles in Ordnung, der Ton klappte ja sowieso zum Glück noch. Schalten wir uns doch gegen Ende der Veranstaltung nochmals ein:

Fantastisch, oder? Und nun hat mans sogar geschafft, den Ton gleich mit abzuschalten. Aber zum Glück hat man ja eine übernächtigte Moderatorin im Studio stehen, die kurz das Offensichtliche erklärt und ganz routiniert des Korrespondenten in Washington nach seiner Meinung fragt, woraufhin dieser pflichtbewusst Sendeminuten füllt, bis die Moderatorin ihn unterbricht und freudestrahlend bekannt geben kann, dass „wir wieder ein Bild empfangen“. Und so gibt man wieder nach Oxford ab, wo die beiden Hauptdarsteller grade ihr Schlusswort sprechen.

Ich möchte ja gar nicht bestreiten, dass das Fernsehen seine Vorteile hat. Die Live-Übertragung gehört sicherlich theoretisch dazu. Da man hier eine viel längere Erfahrung und vor allem eine professionellere Infrastruktur als die meisten Websites vorweisen kann, sollte es doch ein Leichtes sein, in diesen Kernkompetenzen zu glänzen und nicht stattdessen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu zeigen, wie unfähig man ist, ein paar Bilder unterbrechungsfrei und mit journalistischer Begleitung zum Kunden zu bringen.

Was zu klären bleibt: Wer war für die Ausfälle verantwortlich, die amerikanische oder die deutsche Seite?


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