Habt ihr nichts zu fressen hier? Ich will Pizza
Bis zum Ende des vergangenen Sommersemesters lief es an der Uni Düsseldorf in der Mittagspause so ab: Wir gingen in den Vorraum der Mensa und stellten auf dem großen Display fest, dass außer der üblichen Pizza mal wieder nur Grütze (oder artverwandtes) auf dem Speiseplan stand. Nun hatten wir drei Möglichkeiten: Zu Subway gehen (was wegen des langen Weges dorthin und der hohen Preise häufig die letzte Alternative war), ins „UniKomm“ gehen (das direkt unter der Mensa lag und wo es Hamburger mit Pommes und Currywurst mit Pommes gab. Und irgendwas wechselndes schnitzelartiges mit Pommes. Alles nicht sehr lecker, aber dem Ambiente entsprechend günstig), oder in die Mensa gehen und die Tiefkühl-Pizza nehmen.
So machten wir uns dann auch in den ersten Tagen nach den Semesterferien wieder auf in Richtung Mensakomplex – und mussten im Vorraum auf dem großen Display feststellen: Keine Pizza mehr im Angebot. Na ja, nicht weiter schlimm, es gibt ja noch das „UniKomm“. Einmal den Kopf nach rechts in Richtung „UniKomm“-Eingang gewendet. „UniKomm“ hat geschlossen. Hmpf. Na ja, ab und zu zu Subway gehen kann ja auch nicht schaden.
Das ging einige Wochen so, bis irgendwann das Geld aufgrund der häufigen Subway-Besuche alle war und wir zwangsläufig zwischen Vegetarier-Cordonbleu und Grünkohlauflauf zu entscheiden hatten. Doch dann, am letzten Dienstag, die Erlösung: Das „UniKomm“ hatte wiedereröffnet.
Ausgewählt und trendig, aber nicht abgehoben. Qualität, aber nicht teuer. Frische und Erlebnis pur.
Mit blumigen Worten beschreibt das Studentenwerk den Neubeginn. Offensichtlich hatten sie bemerkt, dass mit dem „UniKomm“ irgendwas nicht stimmte, denn bis zum Sommer lief es dort so ab: Man aß angeödet bis leicht angewidert und ging danach schnurstracks raus. Dass dieser Zustand bald der Vergangenheit angehören würde, war eigentlich in den vergangenen Wochen schon klar, denn ein Blick durch die Fenster verriet schon einmal gutes: Moderne Optik, viel weiße Farben, zeitlöse Möbel aus hellem Holz und eine töfte Bar in Klavierlackoptik. Das machte schon auf den ersten Blick Spaß auf mehr. Eigentlich sollte bereits am 13. November Eröffnung sein, aber offenbar konnte der Termin nicht eingehalten werden und so gehörten wir am Dienstag eher durch Zufall zu den ersten, die dort speisen durften. Am Eingang erhielten wir zunächst eine zusätzliche Mensa-Karte und dazu eine freundliche Erklärung, dass sie schon beim Bezahlen wieder abgegeben werden muss. Man bezahlt allerdings erst, wenn man rausgeht, dann jedoch wieder mit der herkömmlichen Mensa-Karte. Mehr dazu später. Schon von außen war ersichtlich, dass sehr viele Studenten auf die Idee gekommen waren, das „Campus Vita“ – so der neue Name – direkt am Eröffnungstag mal zu testen. Das ist vor allem dann auffällig, wenn man den trostlosen Anblick des „UniKomms“ gewohnt ist, das immer nur spärlich besucht war.
Drinnen bestätigte sich der gute Eindruck von außen: Es war zwar sehr voll, aber wir fühlten uns direkt wohl. Außerdem waren wir überrascht, dass die Speisen vor den Augen der Studenten frisch zubereitet werden. Nach ein wenig Orientierungslosigkeit (die Wagen mit Tabletts und Besteck stehen etwas deplaziert in der Gegend rum; es ist nicht auf den ersten Blick klar, wer in einer Schlange und wer einfach nur herumsteht; die vielen Wahlmöglichkeiten bei den verschiedenen Speisen überforderten uns zunächst), fanden wir uns bald in verschiedenen Schlangen wieder. Ich wollte erst einmal Pasta ausprobieren und hatte somit die Wahl zwischen Tagliatelle- und Penne-Rigate-Nudeln. Als Soßen standen Arrabiata, Carbonara und Bolognese zur Auswahl, optional konnte man auch Hähnchenbruststreifen oder Kalbsleber sowie Paprikawürfel, Champignons oder Ratatouille dazu bekommen. Als ich nach zehn Minuten durch das System durchgestiegen war, konnte ich auch schon meine Bestellung aufgeben, aber da ich ob der vielen Variationsmöglichkeiten ziemlich verwirrt war, fiel mir nichts anderes ein, als jeweils die erste Möglichkeit zu nehmen. Also kippte die Dame, die auch meine Bestellung aufgenommen hatte, ein Schälchen Nudeln in ein Gerät, das ich ohne zu zweifeln für eine Pommesbudenfrittiermaschine gehalten hätte. Aber da ich keine Ahnung von so etwas habe, kann ich mich gut damit abfinden, dass in einem solchen Gerät wohl auch Nudeln gekocht werden. Eigentlich waren zwei dieser Wunderwerke vorhanden, aber nur eins in Betrieb, wodurch sich der gesamte Ablauf um die Hälfte verlangsamte, was angesichts der immer länger werdenden Schlange nicht gerade verständlich war. Nach kurzer Kochzeit kippte sie die Nudeln in eine Pfanne, die Ähnlichkeit mit einem kleinen Wok hatte und in die ein Koch meine gewünschten Zutaten beigab. Alles ein wenig durcheinander gemischt – und schon landeten meine Nudeln auf einem schnieken Teller. Dafür hab ich dann knapp 5 € bezahlt, bekam aber auch eine wirklich große Portion. Wie es der Zufall so wollte, waren die anderen fast gleichzeitig fertig und zudem wurde just in diesem Moment auch noch ein Tisch für sechs Personen frei.
Als wir saßen, fiel uns direkt die farbenwechselnde Deckenbeleuchtung auf, die sich stimmig ins Ambiente einpasste. Bevor vor lauter Staunen über so viel Liebe zum Detail aber das Essen kalt werden konnte, legten wir lieber los. Meine Nudeln waren lecker, durch die Soße angenehm scharf, durch die Paprika kam ein frischer Geschmack hinzu und durch die Hähnchenbruststreifen hatte ich auch ein wenig zu kauen. Auch die anderen waren durchweg begeistert; sogar die Currywurst mit Pommes hatten wohl endlich mal den Geschmack von Currywurst und Pommes, dazu handelte es sich um eine sicherlich doppelt so große Portion wie vor den Semesterferien – und das beim nahezu gleichen Preis. Ganz besonders gefreut hat mich, dass das „Campus Vita“ Pizza im Angebot hat, die ebenfalls frisch zubereitet wird und sicherlich einen Umfang von 30 Zentimetern hat – ebenfalls preislich auf dem gleichen Niveau wie die mickrige Tiefkühlpizza, die es früher in der Mensa gab.
So aßen wir und redeten und lachten und fühlten uns wohl, bis auf einmal jemand fragte: „Wieviel Uhr ist es eigentlich?“ Da ja Mobiltelefone herkömmliche Uhren mittlerweile abgelöst haben, konnte niemand mit einem einfachen Blick auf die Armbanduhr dienen, aber zum Glück hängt ja in der Mitte des Raumes eine Uhr von der Decke … nicht. Sie hing. Die praktische Uhr ist wohl im Laufe der Renovierungsarbeiten als nicht passend und brauchbar empfunden worden; ein klarer Minuspunkt. Nachdem dann doch jemand mühsam sein Handy herausgefriemelt hatte, wurde uns klar, dass wir wohl langsam mal wieder aufbrechen sollten, wollten wir nicht zu spät zu unseren nächsten Seminaren kommen. Einige mussten anschließend sogar arbeiten, da war Pünktlichkeit natürlich noch wichtiger. Also stellten wir unsere Tabletts nach ein wenig Suche in ein sich drehendes Konstrukt in der Wand, auf deren anderer Seite sich offenbar die Küche befindet. Nicht intuitiv, dieses System, aber man kann sich dran gewöhnen.
Ein Blick auf die zwei Kassen verhieß nichts Gutes, offensichtlich wollten noch mehr Studenten langsam den Weg zurück in die Hörsäle antreten. Wir suchten uns also mühsam den Endpunkt einer der beiden Schlangen und warteten. Und warteten. Nach zehn Minuten war die Kasse immerhin schon mal am Horizont zu sehen und weitere fünf Minuten später wurde ersichtlich, dass die Kassiererin sich überhaupt nicht mit ihrer Kasse anfreunden konnte. Hinzu kam, dass der Kassencomputer sicherlich drei oder vier Mal abstürzte, weshalb sich Philip zu der Bemerkung hinreißen ließ, dass es sich hierbei ja nur um einen Apple handeln könnte, worauf sich von allen Seiten Studenten umdrehten und ihm verachtende Blicke zuwarfen.
Bevor die Kassiererin an ihrem Beruf völlig verzweifelte, kam ihr der Barkeeper zu Hilfe. Er hatte sowieso kaum etwas zu tun, was wohl weniger an der großen Auswahl an Spirituosen lag als vielmehr an der Uhrzeit (wer will schon bezwitschert ein Referat halten) und den Preisen. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass sich die Betriebsamkeit an der Bar ab dem 1.12. erhöhen wird, denn ab diesem Zeitpunkt ist das „Campus Vita“ bis 21 Uhr geöffnet, was für Studenten, die in Uni-Nähe wohnen, sicherlich eine Vorsauf-Alternative zur eigenen Wohnung oder weiter entfernten Kneipen sein kann. So lange es an der Bar aber weiter derartig leer ist wie am vergangenen Dienstag, kann der Barkeeper noch einige Male den Kassencomputer wieder zu Laufen bringen.
Nach schier endlosem Warten waren wir dann endlich an der Reihe und sahen uns prompt vor der nächsten Herausforderung: dem Bezahlsystem. Wie eingangs schon geschrieben, hatten wir am Eingang zusätzliche blaue Mensakarten bekommen. Diese mussten wir nun abgeben, die Kassiererin steckte sie in einen Automaten; wir mussten unsere herkömmlichen weißen Mensakarten in einen anderen, sehr ähnlich ausschauenden Automaten stecken. Dann wird das Geld von der herkömmlichen Mensakarte abgebucht, die Kassiererin behält die blaue Mensakarte ein, man bekommt seine herkömmliche Mensakarte wieder und kann gehen. Das hört sich jetzt recht einfach an, funktioniert aber in der Praxis nicht annähernd so gut.
Die Probleme beginnen damit, dass die beiden Automaten, in die man die Karte stecken kann, sehr ähnlich aussehen und man nicht weiß, welche Karte nun in welchen Automaten gehört. Außerdem kann es ja vorkommen (bei mir ist es natürlich vorgekommen), dass nicht mehr genügend Geld auf der Mensakarte ist, man also aufladen muss. Da die Kassiererin mit der einfachen Bedienung des Computers schon völlig überfordert war, näherte sie sich, als ich mit einem Zehn-Euro-Schein winkte, schon einem Nervenzusammenbruch und als ich dann auch noch sagte, dass ich die Mensakarte aber nur mit 5 € aufladen möchte, war alles vorbei. Sie ließ dann mal kurz einen freundlichen Herren, der bisher auffällig unauffällig in einer Ecke hinter der Kasse gestanden hatte, an den Computer. Zwei, drei Patscher auf das berührungsempfindliche Display – und schon bekam ich meine 5 € und die Mensakarte wieder. Offensichtlich war dieser Herr der Entwickler des Systems und mutmaßlich auch der einzige Mensch auf Erden, der es bedienen konnte.
Nach mehr als 20 Minuten in der Schlange hatten wir es endlich geschafft. Dass die Rosen bzw. der Kuchen, die und den es als Eröffnungstagverabschiedung am Eingang hätte geben sollen, schon weg waren, interessierte uns dann auch nur noch marginal, denn nun mussten wir uns wirklich beeilen, damit wir pünktlich zu unseren Zielen kamen.
So war also mein erster Eindruck des „Campus Vita“ zwiespältig: Auf der einen Seite ist das neue Konzept des Uni-Restaurants stimmig und begeistert mich sowohl mit Essen als auch mit Atmosphäre; auf der anderen Seite ist es ein Unding, 20 Minuten in der Schlange stehen zu müssen, nur um das Restaurant zu verlassen.
Wir waren am Donnerstag noch einmal dort essen, ich hab dieses Mal eine Pizza genommen und war wiederum vollkommen positiv überrascht vom Geschmack – und auch das Kassensystem funktionierte besser, was entweder daran liegt, dass die Kassiererinnen den bekannten Volkshochschulskurs „Wie bediene ich eine Kasse – an zwei Tagen zum Profi“ belegt haben, oder daran, dass nicht mehr alle Studenten auf einmal in Richtung Kassen strömten und die Kassiererinnen deshalb nicht mehr so hektisch waren. Trotzdem bleibe ich dabei, dass so etwas elementares wie die Bezahlung auch am Eröffnungstag funktionieren muss, darüber hilft noch nicht mal ein Essen hinweg, das Subway ohne weiteres in den Schatten stellt. Trotz dieses leider teils negativen Eindrucks werde ich sicherlich noch häufig ins „Campus Vita“ gehen, denn preislich und geschmacklich ist es einfach das beste, was sich im Umkreis der Uni befindet.
Nachtrag, 27.11.:
- Die Lokalzeit Düsseldorf hat heute einen Bericht über das „Campus Vita“ gebracht, der aber leider (noch) nicht online verfügbar ist.
- Auch das OASE-Magazin hat sich am Eröffnungstag mal umgesehen und ist mit den Preisen nicht ganz so einverstanden – oder, wie es Kamerakind Carlos in den Kommentaren formuliert:
Über diesen Eintrag
Du liest grade „Habt ihr nichts zu fressen hier? Ich will Pizza“ im MainPlog
- Autor:
- Patrick
- Veröffentlicht:
- 24.11.2008 / 12:44 Uhr
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- Kategorien:
- Real Life
- Tags:
-
Campus Vita, Essen, Heinrich-Heine-Universität, Mensa, Neueröffnung, Restaurant, Subway, Uni Düsseldorf, UniKomm
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