Zu klischeehaft um wahr zu sein (1)

photo credit: publicenergy
Ich fahre nie Bus. Zumindest fast nie. Ganz selten schon, aber das sind eher Ausnahmen. Ich meine: wer bezahlt auch 8,40 €, um nach Krefeld und zurück zu fahren?
Nun musste ich dieses Abenteuer aber trotzdem auf mich nehmen, wenn auch freiwillig. Irgendwann im Abitur werden wir wahrscheinlich, eventuell und unter Umständen irgendwann mal „Don Karlos“ von Friedrich Schiller durchnehmen. Da der im Düsseldorfer Schauspielhaus grade aufgeführt wird, kamen irgendwelche Lehrer auf die Idee, dass wir ja theoretisch da auch hingehen könnten. Also freiwillig, aber organisiert über die Schule. 5 € hat das Ganze gekostet – und da bei der Karte auch die kostenlose Hin- und Rückfahrt mit dem VRR inbegriffen war, habe ich das dann auch direkt mal ausgenutzt.
Um halb sechs wurde ich von Jana angerufen. Wir hatten geplant zusammen zu fahren, da ich, wie gesagt, keine Ahnung von Bussen habe. Der Bus fährt am anderen Ende der Straße um 17:53 Uhr ab. Lange Straße, keine Lust zu laufen und irgendwie auch zu spät dran sind genügend Gründe um zur Bushaltestelle gefahren zu werden. Um 17:48 Uhr saß ich also an der Bushaltestelle und der Bus kam dann auch pünktlich. Jana hatte schon einen Platz in der ersten Reihe direkt hinterm Fahrer freigehalten, sodass ich die, denke ich, lustigste Busfahrt meines Lebens vor mir hatte.
Natürlich weiß ich, dass Busfahrer immer mies gelaunt, zu spät und unfreundlich sein müssen. Aber trotzdem habe ich das nicht geglaubt. Bis zu diesem tollen Tag.
Unser Fahrer war irgendwo zwischen 40 und 50 Jahren alt, hatte einen Schnäuzer und ein weißes Streifenhemd an, offen natürlich, aber mit schwarzem T-Shirt drunter.
An der ersten Haltestelle sind noch weitere Leute aus meiner Stufe eingestiegen, die brav ihre „Don-Karlos“-Karte vorgezeigt haben. „Ja, komm“, war die einzige, genervte Reaktion, nachdem die dritte Person es gewagt hatte, auch noch die Karte vorzuzeigen.
An der nächsten Haltestelle stieg ein körperlich beeinträchtigter Mann ein, der natürlich nicht der schnellste ist. Hier sieht man, dass ein Blick mehr sagen kann, als tausend „Mach doch mal hinne“.
Ein freundliches „Guten Tag“ wurde einfach ignoriert.
Dank einer Kreuzung haben wir etwas länger gebraucht um durch Osterath zu kommen. So lange, dass es einfacher ist, mal eben die Vorfahrt zu nehmen.
Als dann auch noch eine Bahnschranke vor uns auftauchte, konnte sich der gute Herr nur noch mit einem gepflegten „Scheiße“ helfen. Seine Wut ließ er dann am nächsten Fahrgast aus: Noch bevor die Frau richtig im Gang stand, beschleunigte der Bus so stark, dass sie fast hinfiel.
Wenigstens konnte er uns noch darauf hinweisen, dass wir doch bitte hinten aussteigen sollen. „Geht nur hinten“, war das Freundlichste, was ich von ihm die ganze Busfahrt gehört habe, nachdem wir mit vier Minuten Verspätung am Haus Meer angekommen waren.
Nach einem Spurt erreichten wir dann mit mittlerweile 15 Leuten aus meiner Stufe, die alle auf die tolle Idee gekommen waren öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, die Rheinbahn.
Über diesen Eintrag
Du liest grade „Zu klischeehaft um wahr zu sein (1)“ im MainPlog
- Autor:
- MainP
- Veröffentlicht:
- 11.12.2008 / 22:09 Uhr
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- Kategorien:
- Real Life
- Tags:
-
Bus, Busfahrer, Don Karlos, Friedrich Schiller, Krefeld, Osterath, vrr
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