Die Kommunalwahl aus Sicht eines Möchtegern-Statistikers
Seit Mittwoch sind folgende Worte im Blog zu lesen:
[…] ich würde mich nicht wundern, wenn 72,28 % am Sonntag die längste Zeit eine hohe Zahl gewesen ist.
Es war zwar nicht so richtig riskant, diese Schlussfolgerung zu ziehen – und doch überrascht mich das Ausmaß, mit dem die Bürgermeisterwahl am gestrigen Abend die 72,28 % zur nicht mehr ganz so großen Zahl degradiert hat: Josef Heyes wurde mir 83,51 % im Amt bestätigt. In jedem einzelnen der 24 Wahlbezirke hat er mehr als 72,28 % der Stimmen bekommen – mit 75,67 % als geringstem Stimmenanteil und 90,85 % in seinem eigenen Wahlbezirk als oberste Markierung.
Das ist – egal, wie man zu Josef Heyes und seiner Politik steht – beeindruckend. Sofort drängte sich mir die Frage auf: Ist es auch einzigartig?
Leider gibt es nirgendwo eine Seite mit Wahlergebnissen, die eine offene Schnittstelle zur automatischen Ausw… ähm. Jedenfalls ist mir keine Seite bekannt, auf der ich jedes einzelne Bürgermeisterschaftswahlergebnis aus allen Bundesländern seit Bestehen der Bundesrepublik einzeln nachsehen kann. Aber die Ergebnisse in den 40 Städten und Gemeinden am Niederrhein, in denen gestern ein neuer Bürgermeister gewählt wurde und die beim Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein abzurufen sind, die kann ich mir durchaus mal anschauen. Ergebnis:
Es gibt tatsächlich vier Gemeinden und eine Stadt, in denen ein Bürgermeisterkandidat mit mehr Prozentpunkten gewonnen hat. Allerdings muss man die Besonderheiten dieser fünf Wahlen beachten: In den Gemeinden Bedburg-Hau und Niederkrüchten sowie in der Stadt Rheinberg gab es jeweils nur einen Bewerber; in den Gemeinden Sonsbeck und Schermbeck gab es zwar jeweils einen Gegenkandidaten – beide gehören aber der FDP an und nicht – wie in Willich – der SPD, die sich selbst als Volkspartei sieht. Gut, diese Differenzierung mag – zumal in einer immer noch ländlichen Stadt, in der der SPD einfach ihr Stammklientel fehlt – etwas kleinteilig erscheinen. Aber dann gibt es trotzdem gerade einmal zwei vergleichbare Fälle am gesamten Niederrhein. Komm mal klar, Willich.
Sonst noch erwähnenswert:
- Die Grünen haben in Wekeln und im Nordwesten von Anrath, also nördlich von Jakob-Krebs-, Raiffeisen- und Bogenstraße, ihre größte Anhängerschaft, während die NPD in diesen Gebieten am schwächsten ist.
- Die SPD ist in Alperheide sehr stark, liegt aber selbst da noch mindestens (nämlich bei der Ratswahl) zehn Prozentpunkte hinter der CDU. Bei der Bürgermeisterwahl beträgt der Rückstand sogar wieder 55 Prozentpunkte und sorgt damit auch in Alperheide für (fast) „normale“ Willicher Verhältnisse.
- In Niederheide und Knickelsdorf sind die Einwohner anscheinend sehr unabhängig: 1,48 % der Stimmen hat die UWKV dort bei der Kreistagswahl bekommen – und damit mehr als irgendwo sonst im Stadtgebiet.
- Bei der Ratswahl in der Alt-Willicher Stadtmitte hat der stellvertretende Bürgermeister und ehemalige Willicher Schützenkönig Thomas Brandt von der FDP den SPD-Kandidaten Norbert Waldhausen haushoch, nämlich um 5 Prozentpunkte, geschlagen. Hat ihm aber nichts genützt: Dr. Paul Schrömbges hat zwar für CDU-Verhältnisse wenige Stimmen bekommen, aber dennoch locker die absolute Mehrheit erreicht. (Brandt zieht übrigens als Listenerster seiner Partei natürlich trotzdem in den Rat ein.)
- Josef Heyes hat nicht nur bei der Wahl zum Bürgermeister seinen Gegner deklassiert; auch als Rats–Direktkandidat in seinem Wahlkreis hat er es geschafft, alle drei anderen Bewerber mit um die die 5 % nach Hause zu schicken – übrigens mit der zweithöchsten Wahlbeteiligung der Stadt.
- Noch lieber als die Menschen im Südosten Schiefbahns – also Heyes’ Wahlkreis – gehen nur die Menschen in Neersen wählen. In Münchheide und Stahlwerk Becker dagegen haben sie anscheinend lieber Gewerbe gespielt. Wobei die sich aufdrängende Frage lautet: Wo leben denn in Münchheide und Stahlwerk Becker überhaupt Menschen?
Über diesen Eintrag
Du liest grade „Die Kommunalwahl aus Sicht eines Möchtegern-Statistikers“ im MainPlog
- Autor:
- Patrick
- Veröffentlicht:
- 31.08.2009 / 05:43 Uhr
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- Tags:
-
Alexander Oerschkes, Bürgermeister, Josef Heyes, KRZN
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