Das Referrer-Problem

Ich gehe davon aus, dass ihr wisst, was ein Referrer ist. Für alle anderen wurde der Hypertext erfunden, der den Strich unter dem euch unbekannten Begriff mit Sinn füllt. Ich möchte außerdem schon vorauseilend auf den mittelbar anschließenden Überschuss an Technik-(Schein-)Anglizismen hinweisen. So, jetzt gehts los.
Noch kein Problem ist: Klicke ich mich von einer Seite zur nächsten, kann ich immer den Zurück-Button betätigen, um nachzuschauen, wie ich denn überhaupt zu der aktuellen Seite geraten bin.
Ein kleines, aber leicht lösbares Problem ist: Mit der Erfindung von Tabs (bzw. streng genommen ja auch schon mit mehreren geöffneten Browserfenstern – ja, so etwas gab es früher mal, Kinder) wurde es schwieriger, die Ursprungsseite nachzuvollziehen, von der man auf die augenblickliche geraten ist – sofern man es nicht noch aus dem Kopf weiß. Um dieses Problems Herr zu werden, gibt es das schöne Firefox-Plugin TabMix Plus, bei dem man einerseits neue Tabs grundsätzlich direkt neben dem Ursprungstab öffnen und andererseits die Reiter auch in der gleichen Farbe wie den Reiter des Ursprungstabs anzeigen lassen kann. Das hört sich kompliziert an – aber ihr solltet es (sofern ihr es nicht schon habt und sofern ihr gegen augenkrebserzeugende Farbkombinationen zumindest theoretisch immun seid) einfach mal ausprobieren, wenn ihr regelmäßig mit vielen Tabs hantiert. Mir zumindest hat Tab Mix Plus schon viel Rätselraten erspart.
Ein wirkliches Problem ist (abgesehen davon, dass ich zum täglichen Surfen eher Safari einsetze, für den es nichts TMP-artiges gibt): Selbst Tab Mix Plus versagt, wenn ein neuer Tab gar nicht durch einen Link im Browser geöffnet wurde, sondern vom (nicht browserbasierten) Feedreader, Instant Messenger, Twitter-Client, Sonsteinlustigeswortdasniemandversteht. Wenn man dann den Link nicht sofort konsumiert, sondern erst einmal beispielsweise weiter durch die Twitter-Timeline scrollt und möglichst noch zehn, 20 weitere Tabs im Hintergrund öffnet, steht man vor dem Referrer-Problem:
Man sieht eine Seite und denkt: „Wie bin bloß ich hierher gekommen?“ Das kann manchmal völlig egal sein: Der Inhalt ist interessant; man liest den Text/ schaut sich das Video an/ lacht über das Bild – und kümmert sich nicht darum, wer diese Seite verbreitungswürdig fand. Ich habe aber oft genug auch die Situation, dass es für das Verstehen eines Inhalts elementar ist, den Verweiser zu kennen, also zu wissen, wer mich auf diese Seite geschickt hat. Gerade bei Twitter weiß man ja – dank der URL-Shortening-Services – selten ganz genau, was sich hinter einem Link verbirgt.
Jetzt hab ich ja von Technik auch nicht so viel Ahnung, aber ist es denn wirklich unmöglich, systemweite Referrer einzuführen? Wie angenehm wäre es, beim Klick auf die Zurück-Taste im Browser automatisch beim verweisenden Tweet in meinem Twitter-Client zu landen? Oder aber zum Beispiel in der Titel- oder Statuszeile den verweisenden Tweet oder zumindest den zum Tweet gehörigen Twitterer anzuzeigen? Irgendwo wird schon Platz dafür sein. Und wenn nicht, dann muss ihn halt jemand schaffen. Einem solch wichtigen Anliegen muss entsprechender, großzügiger Raum zugestanden werden.
Ihr Entwickler der Welt, ihr Entwickler in Berlin, in London, in Mountain View, in Cupertino: Schaut auf dieses Problem.


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