Asynchron
Was würdest du sagen, wenn du wie jeden Morgen die Zeitung aus dem Briefkasten holst, dich mit einer aufweckenden Tasse Kaffee an den Küchentisch setzt, die tägliche Lektüre in froher Erwartung aufschlägst – und mit Schrecken feststellen musst, dass sämtliche Artikel alleinig aus dem automatischen Hinweis bestehen, dass die Übertragung der Texte vom Rechner des Redakteurs zur Druckerpresse eingestellt worden ist?
Genau das ist mir heute passiert. Gut: Es war nicht Morgen, ich trank keinen Kaffee, ich saß nicht am Frühstückstisch und ich wollte auch keine Zeitung aufschlagen. Das Objekt, aus dem ich meine tägliche Dosis Information ziehe, ist mein Feedreader, NetNewsWire. Sein größter (aber bei weitem nicht einziger) Vorteil: Er kann synchronisieren. Das bedeutet: Ich kann auf meinen selbst zusammengestellten Mix aus Nachrichtenseiten, Blogs und sonstigem Blödsinn von überall zugreifen und muss keinen Text doppelt lesen, da NetNewsWire mit dem Abfragen nach neuen Inhalten auch gleichzeitig an einen Server des Herstellers NewsGator sendet, was ich schon gelesen habe.
Datenschutzbedenken hin oder her: Das ist einfach ungemein praktisch, zumal es NetNewsWire auch für mobile Endgeräte gibt. Ich kann also auf dem Heimweg in der Bahn schnell die Feeds durchgehen, von denen sowieso nicht zu erwarten ist, dass ich jeden Artikel genau durchlesen werde (also vor allem Nachrichtenseiten) und habe dann, wenn ich zuhause den Rechner anmache, nur noch das übrig, was mich brennend interessiert und was ein konzentriertes Lesen auf einem Bildschirm vernünftiger Größe erfordert.
Die Probleme begannen, als die mobile NetNewsWire–App vor wenigen Tagen auf Version 2.0 gehoben wurde. Erfreut wollte ich sofort updaten, warf aber zufällig noch einen Blick auf die bisherigen Bewertungen. Fast durchgängig las ich dort vernichtende Kritiken. Von sehr aufdringlicher Werbung war da die Rede und davon, dass man sich im runderneuerten Design überhaupt nicht mehr zurecht finde. Am schockierendsten aber: Man könne jetzt nicht mehr direkt mit dem „richtigen“ NetNewsWire synchronisieren, sondern nur noch über einen Google–Reader–Account.
„Na gut,“ dachte ich, „da will wohl jemand seine bisher begeisterte Kundschaft vergraulen. Aber nicht mit mir. Bleibt meine Version halt bei der 1 vor dem Punkt, ich bin ja sehr zufrieden mit dem Programm.“
Aber NewsGator hatte noch nicht genug: Ich wollte vorhin schon ins Bett gehen und hatte bereits begonnen, geöffnete Programme zu beenden, klickte dann aber noch einmal auf den Aktualisierungs-Knopf in NetNewsWire, weil ich wissen wollte, ob es etwas Neues vom Seebeben im Südwestpazifik gäbe.
Dann der Schock: Statt der üblichen Artikel tauchten überall dort, wo es eigentlich neuen Inhalt gab, nur kurze Mitteilungen von NewsGator auf, die mich darüber aufklärten, dass NewsGator sein Synchronisierungsangebot eingestellt habe. Das wurde vorher nicht mitgeteilt; es werden im Text (und auch auf der verlinkten Seite) keine Gründe genannt. Einfach nur: So, Leute, hier ist Schluss mit lustig. Schafft euch ’n Google–Reader–Konto an oder ätschibätsch.
Was ich der Geschichte positives abgewinnen konnte: Wegen der Uhrzeit waren nur etwa zehn neue Elemente im Feedreader aufgetaucht, ich konnte also recht einfach direkt die entsprechenden Seiten ansteuern und mir die nicht im Feedreader angekommenen Artikel selbst raussuchen.
Durch beherztes Eingreifen konnten die Einsatzkräfte Schlimmeres verhindern Da ich geistesgegenwärtig direkt in den Einstellungen die Synchronisierung stoppte, kamen die Feeds dann bei der nächsten Aktualisierung wieder „normal“ rein, denn als „herkömmlicher“, nicht synchronisierender Feedreader funktioniert NetNewsWire zum Glück. Noch. Wenn NewsGator diese Vergraulungsstrategie weitertreibt, würde es mich nicht wundern, wenn bald ein kostenpflichtes Zwangsupdate um die Ecke kommt, bei dem 50 % der Fläche mit Werbung zugedeckt sind und bei dem man nur noch Feeds abonnieren kann, die von NewsGator selbst zur Verfügung gestellt werden.
Ihr merkt: Ich bin augenblicklich echt frustriert, dass mir dieses tolle Programm mit dem noch tolleren Alleinstellungsmerkmal „kostenlose Synchronisation unabhängig von Google“ weggenommen wurde. Ich will meine Zeitung auch zukünftig in der Bahn lesen, ohne dass ich gezwungen bin, mir den gleichen Inhalt zuhause noch einmal durchzulesen. Das kann doch nun echt nicht zu viel verlangt sein.
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- Autor:
- Patrick
- Veröffentlicht:
- 30.09.2009 / 03:38 Uhr
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- Kategorien:
- Web
- Tags:
-
Feedreader, NetNewsWire, NewsGator
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